Vermisster Soldat aus dem II. Weltkrieg auf dem Ehrenfriedhof in Gondelsheim beigesetzt

Gondelsheim/Winterspelt (boß) Auf dem Soldatenfriedhof Gondelsheim wurde jetzt Johann Schinagl beigesetzt. Der im II. Weltkrieg vermisste Soldat war zu Beginn der Ardennenoffensive gefallen. Vor drei Jahren waren seine sterblichen Überreste im Raum Winterspelt gefunden worden.

Vor 66 Jahren - ab dem 16. Dezember 1944 - tobte im deutsch-belgisch-luxemburgischen Grenzraum die Ardennenoffensive. Einer der fast 37.000 damals gefallenen Soldaten war der 33-jährige Obergefreite Johann Schinagl aus Friedburg-Braunau in Oberösterreich. Bereits am 17. Dezember 1944 im Alter von 33 hatte ihn sein trauriges Schicksal nahe der deutsch-belgischen Grenze ereilt.
Im Oktober 2007 wurde durch Zufall sein Grab in dem Waldgebiet zwischen Winterspelt und Weißenhof gefunden. Neben den menschlichen Überresten entdeckte man auch die Stiefel, eine Geldbörse mit Münzen, Reste eines Soldbuches, einen Kamm, ein Taschenmesser und die ungebrochene Erkennungsmarke. Die Knochen wurden durch den "Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener e.V." exhumiert. Anhand der Papiere und der Erkennungsmarke wurde Schinagl identifiziert, der in seinem Heimatland Österreich 1949 für tot erklärt worden war und als vermisst galt. Eine Angehörigenermittlungsanfrage in Wien erbrachte, das Schinagls Ehefrau zwischenzeitlich kinderlos verstorben ist, also keine näheren Angehörigen mehr existieren.
Seine sterblichen Überreste wurden daher nun fast 66 Jahren nach dem Tod auf dem Ehrenfriedhof in Gondelsheim mit einer kleinen Trauerfeier beigesetzt. An der Feier wirkte die Gemeinde Weinsheim, vertreten durch den Ortsbürgermeister Peter Meyer mit. Zudem nahmen Raimund Schneider von der ADD, der 1. Beigeordnete Jakob Weinand und Roswitha Meinz von der Verbandsgemeinde Prüm, Alois Lamberty, Pfleger des Ehrenfriedhofes, Pastor Robert Lürtzner und die freiwillige Feuerwehr Gondelsheim an der Feier teil.
„Der zufällige Fund eines vermissten Soldaten wie Johann Schinagl nach so langer Zeit zeigt, wie nachhaltig der II. Weltkrieg bis heute in familiären Einzelschicksalen fortwirkt. Die Kriegstoten sind eine Mahnung für den Frieden. Auch deshalb gedenken wir ihrer alljährlich am Volkstrauertag“, so Raimund Schneider.
Die Gedenkstätte in Gondelsheim ist einer von fünf landeseigenen Friedhöfen. Insgesamt 460 Kriegstote fanden dort ihre letzte Ruhe. Bereits im Frühjahr 1945 wurde in Gondelsheim eine Begräbnisstätte für gefallene Soldaten angelegt. Weitere Zubettungen erfolgten 1951. Mit dem Ausbau des Ehrenfriedhofes in seiner heutigen Form wurde 1954 durch das Land Rheinland-Pfalz und dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. begonnen. Im Juli 1958 wurde die Gräberstätte eingeweiht.
Die Einzelgräber sind durch Namenssteine gekennzeichnet. In der Mitte des Friedhofs ragt ein Hochkreuz mahnend empor. Die einheitlichen Namenssteine und die gleichmäßige Bepflanzung mit Erika sollen die Schicksalsgemeinschaft der im Krieg Gefallenen zum Ausdruck bringen.
In den letzten Monaten wurden das Schieferdach der Ehrenhalle erneuert und auf einem größeren Gräberfeld die Heidepflanzen ausgetauscht.