"Heischegang der Jugend an Fastnacht"
Genauso wie die Kinder „heischen“ gehen, tun das auch die Jugendlichen. Diesen Brauch gibt es schon seit vielen Jahrzehnten. So um die frühe Mittagszeit an Karnevalsdienstag (früher wurde an Rosenmontag gegangen) setzt sich der meist noch durch die bis dahin erlebte Karnevalszeit verkaterte Tross in Bewegung und geht von Haus zu Haus. An der Haustür wird dann das „Wengsemer Jungen“-Lied gesungen:
„Hey, lustich Wengsemer Jungen, dat sinn mir. Jewaisch mat Nimes-Wasser un mat Bier. Jesund an Herz, an Läwer un an Lung. Da sim mer uuser Mudder irren allerbesten Jung … Helau“
Ins Hochdeutsche übersetzt heißt das: „Hey, lustig Weinsheimer Jungen, das sind wir. Gewaschen mit Nims-Wasser und mit Bier. Gesund in Herz, in Leber und in Lunge. Dann sind wir unserer Mutter ihren allerbesten Jungen … Helau“
(Hierbei ist hinzuzusagen, dass sich diese Eins-zu-Eins Übersetzung aus dem Weinsheimer-Platt einer genaueren sprachlich-grammatikalischen Bewertung entzieht)
Die karnevalistische Jugend sammelt Eier und Geld für die Jugendkasse. In vielen Häusern werden die meist kostümierten Jecken auch zu einem Schnaps oder Bier ins Haus gebeten. Viele Dorfbewohner verköstigen die Jungendlichen derweil auch mit Suppe, Schnittchen oder anderen kleinen Snacks. Gute und lockere Stimmung ist immer garantiert. Auf jeden Fall bietet dieser Brauch eine gute Grundlage für ein gegenseitiges Kennen lernen der Weinsheimer und ihrer Jugendlichen. Früher wurde statt dem Geld hauptsächlich Eier, Speck und andere Naturalien gesammelt. Auch wurde damals das "Kostümieren" der einzelnen Jugendlichen sehr groß geschrieben. Die gesammelten Eier und der Speck wurden schließlich vom jüngst verheirateten Ehepaar in deren Haus gebacken und gemeinsam verzehrt. Das Backen der Eier ist immer noch Tradition und wird auch heute noch vollzogen. Jedoch begibt man sich dafür in die Ortskneipe oder das Gemeindehaus.
Seit einigen Jahren wird die Tour durchs mittlerweile große Dorf so aufgeteilt, dass man den Hauptteil (Hamburg, Straßburg, Hardt) an Karnevalsdienstag abschreitet und die verbleibenden Teile (Flutz, Siedlungen und „Sedan“) am Burgsonntag besucht.