Klappern in der Karzeit
Laut Legende fliegen die Kirchenglocken in der Karzeit nach Rom. Auf jeden Fall sind sie in diesen Tagen ausgeschaltet. Und ab Gründonnerstag Abend übernehmen die Klapperjungen morgens, mittags, abends und an Karfreitag zur Messe das Kirchläuten, in dem sie mit den hölzernen Klappern durchs Dorf gehen und abwechselnd ordentlichen Lärm veranstalten (klappern) und den jeweiligen Ausruf tätigen (siehe unten). Da es um einen kirchlichen Brauch geht, besteht die Schar der Klapperjungen seit jeher hauptsächlich aus Messdienern (ausschließlich Jungs).
Natürlich sind auch Jüngere, die noch nicht die Erste Heilige Kommunion erhalten haben sowie Nicht-Messdiener herzlich willkommen. Schon seit vielen Jahren ist es in Weinsheim üblich, dass auch Mädchen Messdiener werden können. Und seit dem Jahr 2006 sind nun endlich Mädchen in der Klapper-Gruppe voll akzeptiert. Geführt wird der Trupp von den so genannten „Kupp-Herren“. Das sind dann diejenigen, die zum ältesten aktiven Jahrgang gehören. Früher waren das die Achtklässler (letzte Volksschulklassenstufe). Heute sind es die Neuntklässler.
In einem guten Jahr kann man eine stolze Gruppe von bis zu dreißig Klapperjungen durch das Dorf ziehen hören, wie sie klappern und die jeweiligen Tageszeiten ankündigen. Beim morgendlichen Klappern um 7.00 Uhr und beim abendlichen um 19.00 Uhr wird gerufen:
Et lockt Bettglock“ – „Es läutet die Betglocke“
und mittags um 12 Uhr dann:
„Et lockt Mettisch“ – „Es läutet zu Mittag“

Dann vor dem Gottesdienst an Karfreitagnachmittag wird zweimal klappern gegangen. Beim ersten Mal rufen die Klapperjungen:
Et lockt zum irschten“ – „Es läutet zum ersten (mal)“,
und bei zweiten Klappergang dann:

„Et lockt zu Hof“ - Das ist die Aufforderung an die Kirchgänger, sich auf den Weg zum karfreitäglichen Gottesdienst zu machen.
Samstags gehen die Klapperjungen dann durchs Dorf von Haus zu Haus, um Eier und Geld zu sammeln. Dies stellt dann den verdienten Lohn dar, und wird gerecht untereinander aufgeteilt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag gehen die Älteren dann ein letztes mal klappern, und kündigen das Osterfest mit dem Ruf:

„Leeck, stot upp, et ass Usterdaach“ – „Leute, steht auf, es ist Ostern“ Ab Ostersonntag läuten dann wieder wie gewohnt die Kirchglocken und die Klapperjungen haben Pause bis zum nächsten Jahr..